Lebenskompetenzen und Lebensbedingungen

Maßnahmen der Übergewichtsprävention wie der  Gesundheitsförderung setzen inhaltlich in den Handlungsfeldern Ernährung, Bewegung, Stressregulation, Schlaf und Ruhe, Medienkonsum an. In allen Bereichen sind sogenannte Lebenskompetenzen (oft auch Ressourcen oder Resilienzen genannt) eine wichtige Basis. Sie befähigen den Menschen, die Anforderungen des alltäglichen Lebens zu bewältigen und sich gesundheitsfördernd zu verhalten. Hierzu gehört der verantwortungsbewusste Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Gesundheit.

Entscheidend für ein gesundheitsförderliches Verhalten sind außerdem die Lebensbedingungen. Bildung, Beruf, Familie, Wohnumfeld und die soziale Situation können es erleichtern oder erschweren, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.

Je höher die Lebenskompetenzen eines Menschen ausgeprägt sind und je günstiger seine Lebensbedingungen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er verantwortungsvoll mit seinem Körper umgeht und sich gesundheitsförderlich verhält.

Je geringer die Lebenskompetenzen ausgeprägt sind und je ungünstiger die Lebensbedingungen, desto weniger gesundheitsförderlich wird sich jemand verhalten.

Die Lebenskompetenzen zu stärken, ist eine der wichtigsten Aufgaben von Gesundheitsförderung und Prävention.

Zehn Lebenskompetenzen1
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zehn zentrale „Life Skills“, zu Deutsch Lebenskompetenzen, für unseren Kulturkreis definiert:

  1. Selbstwahrnehmung: die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Bedürfnisse, des eigenen Charakters, der Stärken und Schwächen, der Wünsche und Abneigungen.
  2. Empathie: die Fähigkeit, sich in eine andere Person hinein zu versetzen und Mitgefühl und Verständnis zu entwickeln. Empathie ist die Voraussetzung, ein fürsorgliches Verhalten gegenüber hilfsbedürftigen Mitmenschen zu entwickeln.
  3. Kreatives Denken: kognitive Fähigkeit, über den direkten Erfahrungshorizont hinauszuschauen, die vorhandenen Alternativen und deren Konsequenzen abzuschätzen und Aktivitäten zu planen.
  4. Kritisches Denken: die Fähigkeit, Informationen und Erfahrungen objektiv zu analysieren.
  5. Entscheidungsfähigkeit: die Fähigkeit, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen und konstruktive Entscheidungen zu treffen.
  6. Problemlösefertigkeit: konstruktiver Umgang mit Problemen des Alltags.
  7. Effektive Kommunikationsfertigkeit: sich sowohl verbal als auch nonverbal ausdrücken zu können und die eigenen Meinungen und Wünsche, Bedürfnisse und Ängste zu äußern.
  8. Interpersonale Beziehungsfertigkeiten: die Fähigkeit, Beziehungen und Freundschaften zu schließen und aufrechtzuerhalten.
  9. Gefühlsbewältigung: Bewusstwerden der eigenen Gefühle und denen anderer, angemessener Umgang mit Emotionen.
  10. Stressbewältigung: Erkennen der Ursachen von Stress im Alltag und dessen Auswirkungen, Beherrschen von Strategien, das Stressniveau zu kontrollieren. Dieser Punkt ist so wichtig, dass er in einen Ansatz zur Gesundheitsförderung und Primärprävention von Übergewicht bei Kinder und Jugendlichen ebenso wie Ernährung und Bewegung als eigener Baustein integriert werden sollte. Häufig wird in diesem Zusammenhang statt „Stressbewältigung“ der Begriff „Stressregulation“ verwendet, um deutlich zu machen, dass dies den richtigen Umgang mit vorhandenem Stress sowie Vorbeugung umfasst.

Einfluss der Lebenskompetenzen auf Ernährung, Bewegung und Stressregulation

Diese Lebenskompetenzen haben Einfluss auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten ebenso wie auf den Umgang mit Stress.

Beispiele:

  • In Sachen Essverhalten helfen sie, das Hunger- bzw. Sättigungsgefühl wahrzunehmen, Werbebotschaften kritisch zu hinterfragen und sich des Einflusses von Gefühlen auf das Essverhalten bewusst zu sein.
  • In Bezug auf Bewegung werden Eigenschaften wie Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination wahrgenommen und an Kinder und Jugendliche vermittelt.
  • Stress wird frühzeitig erkannt und analysiert, damit er nicht zu einem gesundheitsgefährdenden Faktor werden kann.

Der Besitz solcher Fertigkeiten und Fähigkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich gesundheitsförderlich zu verhalten. In diesem Zusammenhang wird von Verhaltensprävention gesprochen, denn bei der Förderung von Lebenskompetenzen steht die Verhaltensbeeinflussung im Vordergrund.

Weitere detaillierte Informationen gibt es in diesen BZgA-Fachheften:

  • „Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland“ (Band 6 der Reihe „Gesundheitsförderung konkret“). Opens external link in new windowZum Download
  • „Schutzfaktoren bei Kindern und Jugendlichen“ (Band 35 der Reihe „Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung“). Opens external link in new windowZum Download

Ein gesundes Verhalten und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem eigenen Körper hängen in nicht unerheblichem Maße auch von den Lebensbedingungen ab. Je nach der individuellen Lebenssituation, also Einkommen, Bildung, Familie, Wohnsituation und -gegend, kann gesundheitsförderliches Verhalten erschwert oder erleichtert werden. Das Lebensumfeld spielt deshalb hierfür eine wichtige Rolle.

Verbesserung auf allen Ebenen
Um die Lebensbedingungen zu verbessern, muss es zu Veränderungen innerhalb der Lebenswelten kommen, also in Familie, Kita, Schule, Beruf, Freundeskreis, Verein, Wohnumfeld, Stadtteil, Infrastruktur.

Ein paar Beispiele aus der Praxis: In einer Schule wird der Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln dadurch erleichtert, dass Schulkiosk und Mensa ein breites, ausgewogenes und schmackhaftes Angebot bereitstellen. Innerhalb der Familie wird die Zeitplanung so gestaltet, dass am Wochenende beispielsweise gemeinsame Fahrradtouren oder andere körperliche Aktivitäten auf dem Programm stehen.

1. Bühler A, Heppekausen K (2005): Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland. Gesundheitsförderung konkret (6) Köln

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