Ernährung

Mit der Ernährung wird Energie aufgenommen, durch körperliche Aktivität wird Energie verbraucht. Deshalb ist der Einfluss der Ernährung plausibel. In Querschnittsstudien ist der konkrete Einfluss von Ernährung kaum nachzuweisen.  Für einige Faktoren sind Zusammenhänge belegt.

Die Art der Ernährung im ersten Lebensjahr hat Einfluss auf das Gewicht im späteren Leben. Stillen ist von Vorteil, denn es kann das Risiko für späteres Übergewicht des Kindes senken1. Auch die Dauer des Stillens ist entscheidend: Jeder Monat des Stillens mehr verringert die Wahrscheinlichkeit für späteres Übergewicht um 4 %, bis zu einem Plateau bei 7 bis 9 Monaten Stilldauer2.

Die KiGGS-Studie bestätigt den Schutzeffekt des Stillens. Werden allerdings noch andere Einflussfaktoren mitberücksichtigt, wie Übergewicht der Eltern oder soziale Schicht, geht die Bedeutung des Stillens zurück3.

Der Schutzeffekt könnte auf den niedrigen Proteingehalt der Muttermilch im Vergleich zur Flaschennahrung zurückzuführen sein. Untersuchungen konnten zeigen, dass eine Säuglingsmilchnahrung mit niedrigerem Proteingehalt als üblich, das Risiko für Adipositas und den BMI im Alter von 6 Jahren reduziert4.

Im Rahmen der KiGGS-Studie wurden Eltern zum Stillverhalten befragt und die Einflussfaktoren auf das Stillen analysiert. Rund 82 % der Kinder werden in Deutschland gestillt. Im Durchschnitt liegt die Stillzeit bei 7,5 Monaten. Mütter mit höherem Bildungsgrad stillen häufiger und auch länger als Mütter mit niedrigem Bildungsgrad5.
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Gezuckerte Getränke können Übergewicht begünstigen. In vielen Studien konnte eine positive Assoziation zu Übergewicht gezeigt werden6,7. Zusammenhänge sind zwischen Fast-Food-Verzehr bzw. energiedichten Lebensmitteln und Übergewicht zu sehen8,9. 80 % der Kinder und Jugendlichen überschreiten bei Süßigkeiten, die in der Regel energiedicht sind, die Zufuhrempfehlung des Forschungsinstituts für Kinderernährung. Auch von Fleisch und Wurst wird mehr als reichlich gegessen. Fast Food ist vor allem für Jugendliche von Bedeutung. Jeder zehnte Junge nimmt 19 % seiner täglichen Kalorien mit Fast Food zu sich10. Große Portionen können ebenfalls Übergewicht begünstigen11.

Was und wie gegessen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von sozioökonomischen, psychosozialen und soziokulturellen Faktoren. Die KiGGS-Studie weist auf ein ungünstigeres Ernährungsverhalten bei Kindern mit niedrigem Sozialstatus hin. Unterschiede im Essen zeigen sich auch je nach Migrationshintergrund. Vor allem türkischstämmige und russlanddeutsche Kinder zeigten teilweise ein ungünstiges Ernährungsverhalten3.

Aber auch Faktoren im Umfeld spielen eine Rolle: z. B. das Lebensmittelangebot im Wohnumfeld, das Essensangebot in der Kita und in der Schule, der Einfluss der Freunde, das Vorbild der Eltern, Strukturen in der Familie u. v. m. Gemeinsames Essen in der Familie scheint einen schützenden Effekt auf die Entwicklung von Übergewicht zu haben. Eine Meta-Analyse aus 2011 zeigt: Bei häufigeren gemeinsamen Familienmahlzeiten (mehr als drei Mal wöchentlich) liegt das Gewicht der Kinder eher im Normalbereich und ihr Essverhalten ist gesünder als bei weniger gemeinsamen Mahlzeiten12. Opens external link in new windowMehr

Zu der Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen gibt die EsKiMo-Studie Aufschluss. Opens external link in new windowMehr

1. American Academy of Pediatrics, Section on Breastfeeding (2012): Breastfeeding and the use of human milk. Pediatrics 129(3):e827-841

2. Plagemann A, Dudenhausen JW (2008) Ernährung und frühe kindliche Prägung. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg): Ernährungsbericht 2008. Bonn. S. 271-300

3. Robert Koch-Institut (Hrsg), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg) (2008): Erkennen - Bewerten - Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Berlin und Köln

4. Weber M, Grote V, Closa-Monasterolo R, et al (2014): Lower protein content in infant formula reduces BMI and obesity risk at school age: follow-up of a randomized trial. Am J Clin Nutr 99(5):1041-1051

5. von der Lippe E, Brettschneider AK, Gutsche J et al (2014): Einflussfaktoren auf Verbreitung und Dauer des Stillens in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie - Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Bundesgesundheitsbl 57(7):849-859

6. Vartanian LR, Schwartz MB, Brownell KD. Effects of soft drink consumption on nutrition and health: a systematic review and meta-analysis. Am J Public health 97(4):667-675

7. Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) (2008): Empfehlungen zum Verzehr zuckerhaltiger Getränke durch Kinder und Jugendliche. Monatsschr Kinderheilkd 156:484–487

8. Kersting M, Sichert-Hellert W (2006): Fast food bei Kindern - Was ist akzeptabel und was nicht? Pädiatrie hautnah 18:10-12

9. Kleiser C, Schaffrath Rosario A, Mensink GB et al (2009): Potential determinants of obesity among children and adolescents in Germany: results from the cross-sectional KiGGS Study. BMC public health 9:46

10. Mensink GB, Kleiser C, Richter A (2007): Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsbl 50(5/6):609-623

11. Ello-Martin JA, Ledikwe JH, Rolls BJ (2005): The influence of food portion size and energy density on energy intake: implications for weight management. Am J Clin Nutr 82(Suppl 1):236S-241S

12. Hammons AJ, Fiese BH (2011): Is frequency of shared family meals related to the nutritional health of children and adolescents? Pediatrics 127(6):e1565-1574

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